Systema – Die modernisierte Version der altrussischen Kampfkunst

Systema, so lautet der heutige modernere Name der altrussischen Kampfkunst. Die Kampfkunst reicht bis in die Antike zurück, ist aber im Laufe der Zeit in Vergessenheit geraten, und wurde nurnoch innerhalb Russlands weiter betrieben. Diese wurde zum Großteil von russischen Kriegern – Kosaken – entwickelt. Seit dem Mittelalter waren die Kosaken die Krieger (Berufssoldaten) Russlands, die ähnlich wie die japanischen Samurai die Privatarmee der Fürsten und Herrscher darstellten.

Im Gegensatz zum Karate oder vielen anderen Kampfkünsten gibt es keine festen Formen (Kata) und Bewegungsabläufe, kein Graduierungssystem, keine offizielle Trainingskleidung (trainiert wird in Straßenbekleidung), keine Wettkämpfe oder ähnliches.

Systema – Das Training

Trainiert werden wirksame Grundprinzipien die jeder Ausübende individuell an seine persönlichen Vorraussetzungen anpassen und anwenden kann. Ähnlich wie es sich mit der Bunkai/Anwendung im Karate verhält. Eine Basis schafft der Trainer, aber der Trainierende muss ein Stück weiter selber schauen wie er das erlernte am Besten für sich anwendet und verfeinert.

Systema ist eine effektive Kampfkunst, die einzig und allein auf die Selbstverteidigung ausgelegt ist. Gelehrt werden Verteidigungstechniken gegen einen oder mehrere Angreifer, mit und ohne Waffen. Neben dem körperlichen Training soll ebenfalls die Psyche trainiert und gestärkt werden, um in Stress- und Extrem-Situationen handlungsfähig zu bleiben.

Genau wie in vielen anderen Kampfkünsten und natürlich auch im Karate, wird auch in der Kampfkunst Systema großer Wert auf die richtige Atmung gesetzt. Durch die konstante Atem-Technik soll neben An- und Entspannung, auch Panik und Angstgefühle kontrollierbar werden. Wie oben schon beschrieben soll man in Extremsituationen handlungsfähig bleiben.

Darüber hinaus wird versucht mit relativ natürlichen Körperhaltungen und Bewegungen (Biomechanik) und möglichst geringem Kraftaufwand eine maximale Wirksamkeit zu erzielen. Geübt werden dabei vorwiegend sehr einfache Bewegungen. So erreicht man, das die Trainierenden schneller lernen sich zu verteidigen, da hier ein einstudieren von komplexen Bewegungsmustern entfällt. Das Training findet vorwiegend direkt an einem oder mehreren Partnern statt, wobei unter anderem Distanzgefühl, Timing, Reaktionsvermögen geschult werden. Es wird versucht im Training möglichst realistische Kampfsituationen zu generieren.

Neben der Atmung und dem körperlichen Training wird sehr großer Wert auf die innere Haltung gelegt, um im Kampf psychisch stabil und geistig klar zu bleiben. Vergleichbar mit dem sogenannten Zanshin im Karate.

Um sich einen Eindruck zur Kampfkunst Systema zu verschaffen kann ich den Youtube-Channel von Nahkampfausbilder Vadim Starov empfehlen. Vadim Starov zeigt dort einfache aber sehr effektive Anwendungen die einige Grundprinzipien sehr schön wiedergeben, womit beim Systema gearbeitet wird.

Fazit und persönliche Meinung

Jeder sollte mal einen Blick über den Tellerrand wagen, und sich auch andere Kampfkünste anschauen, als nur die Eine. Grundprinzipien wie ökonomische Körperbewegungen (Biomechanik), minimaler Kraftaufwand bei maximaler Wirksamkeit der Technik, Atmung, An- und Entspannung, innere und äußere Haltung gibt es in ziemlich jeder Kampfkunst. Meiner Meinung nach werden diese nur immer etwas anders ausgelegt, aber im Endeffekt meinen doch alle dasselbe bzw. können die Kampfkünste durch die unterschiedlichen Interpretationen auch viel voneinander lernen. Alles ist besser als Stillstand, in diesem Sinne, viel Spaß beim Training! ;-)

Zuletzt bearbeitet: 28. November, 2015
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