Zanshin – Alles eine Frage der Einstellung?!

So ziemlich jeder der mit Karate oder anderen Budo-/Kampfkünsten zutun hat, kennt diesen Begriff: Zanshin! Im Dojo predigen Sensei bzw. Trainer diesen rauf und runter. Zanshin musst du haben, besonders im Kumite (Freikampf), aber auch im Kihon, in der Kata (Form) und auch gerade in den Gürtel-Prüfungen. Aber was bedeutet das? Was ist Zanshin? Warum ist es so wichtig? Und Braucht man Zanshin im Breitensport? Fragen über Fragen, aber zu letzterer darf ich an dieser Stelle schonmal vorweg nehmen: JA! ;-)  Denn dieser Artikel soll sich speziell mit der Frage beschäftigen, wie man die Budo-Mentalität und die innere Einstellung zur Kampfkunst mit dem Breitensport vereinbaren kann.

Zanshin – Was bedeutet das?

zanshinZanshin bedeutet übersetzt soviel wie „balancierter Geist“ oder auch „bleibender Geist“. Zanshin bezeichnet einen körperlichen und geistigen Zustand erhöhter Wachsamkeit, Achtsamkeit, Aufmerksamkeit und Konzentration nicht nur, aber insbesondere in Kampfsituationen auch nach einem erfolgten Angriff.

Aus fernöstlichen Überlieferungen kann man entnehmen, das Zanshin unter anderem einen geöffneten Geisteszustand beschreibt, ohne Aggression oder Absicht, frei von Ängsten, alle Optionen offen lassend, sogar den eigenen Tod.

Ich behaupte mal, das die wenigsten (glücklicherweise) schon einmal in eine Situation gekommen sind, in der Sie um Leben und Tod kämpfen mussten, oder gerade aus diesem Grund mit dem Karate-Training begonnen haben. Das ist auch der Grund, warum ich denke, dass die Interpretation von Zanshin heute eine etwas andere ist, als Sie damals war. Ob das jetzt gut oder schlecht ist, sei mal dahingestellt.

Quellenangaben:
Oshima/Ando: Kendo, 1998, ISBN 3878920377
http://de.wikipedia.org/wiki/Zanshin

Zanshin – im Breitensport – Karate

Folgend eine Aufstellung einiger Beispiele, speziell zum Karate als Breitensport. Ich möchte einige Denkanstöße geben, wie Zanshin interpretiert und im täglichen-/wöchentlichen Karate-Training  umgesetzt werden kann. Zwar sollten wohl die meisten dieser Punkte allen bekannt sein, und als selbstverständlich angesehen werden, jedoch kann es nicht schaden, sich diese erneut bewusst zumachen.

Hinweis: Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Richtigkeit ;-)

1. Konzentration / Einstellung

Schon mit dem Angrüßen bzw. dem Mokuso (ruhiges Denken) zu Beginn der Karate-Stunde sollte man einen inneren Schalter umlegen und den Alltag hinter sich lassen, und sich nur noch voll und ganz auf das Karate-Training besinnen. Alles andere (Arbeit, Probleme, Verpflichtungen, usw.), sollte für die Dauer des Trainings keinerlei Rolle mehr spielen. Nebengespräche und andere Ablenkungen sollten unterlassen werden, insbesondere während einer Übung oder wenn der Trainer etwas erklärt oder einem anderen Karateka Hilfestellung leistet.

2. Kontrolle / Achtsamkeit

Alles was man tut, jede Übung, jede Technik, jedes trainieren am Partner soll mit absoluter Kontrolle ausgeführt werden. Gerade Anfänger neigen dazu, fehlende Technik durch Kraft wettmachen zu wollen. Verletzungen am Partner oder einem selbst, durch fahrlässiges Handeln, möchte niemand. Also lieber mal 1 bis 2 Gänge zurückschalten, und die Übungen langsamer ausführen, bis es klappt.

3. Selbstbewusstsein / Selbstvertrauen

Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen sollten im Laufe der Zeit zu erkennen sein. Wenn man zum Beispiel für die nächste Kyu.-/Gürtel-Prüfung eine Kata über Monate trainiert hat, und diese „kann“, sollte man das auch zeigen. Schüchtern nach vorne zu schlendern und vor dem Beginn der Kata, dessen Namen in den Raum zu piepsen, reicht nicht. Eine aufrechte Körperhaltung, bestimmte Ansage und natürlich Spaß an der Sache haben helfen. Und auch wenn man mal einen Fehler in der Kata macht, sollte diese mit der gleichen Entschlossenheit beendet werden, mit der diese begonnen wurde. Nur nicht mitten in der Kata aufgeben und vom Parkett schleichen!

4. Kampfgeist / Wille

Auch wenn es mal anstrengend und schweißtreibend wird, ist aufgeben keine Option. Jeder sollte so gut er kann und im Rahmen seiner Möglichkeiten immer alles geben. Völlig egal ob im Kihon, Kata oder Kumite. Der Wille etwas leisten zu wollen, sollte auch im Breitensport präsent sein!

Schlusswort

Im Prinzip schließt keine der aufgeführten Punkte den anderen aus, und gehen nahtlos ineinander über. Es ist das Gesamtpaket worauf es ankommt. Natürlich sind das nur einige Aspekte und Beispiele, wie Zanshin, Kampfkunst und Breitensport zusammen passen, aber ich denke auch der Kampfsport hat neben der Kampfkunst seine Daseinsberechtigung. Allerdings bin ich der festen Überzeugung das ein gewisser schlendrian auch im Breitensport-Karate nichts zu suchen hat. Die innere Einstellung zum Karate muss stimmen, unabhängig von körperlichen Voraussetzungen und Möglichkeiten. Schlußendlich ist es aber jedem selbst überlassen, wie er Karate für sich sieht, was es ihm bringt, und wieviel er in den Karate-Do investieren möchte…

Zuletzt bearbeitet: 29. Oktober, 2014
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