Trainer haben es nie leicht!

Eines vorweg: Wer eine gewisse Ironie und etwas Sarkasmus in diesem Artikel findet, darf ihn behalten! ;-)

Zum Thema: Trainer haben es nie wirklich leicht! Von Ausreden, Diskussionen bis hin zu Trainingsverweigerung gibt es viele Dinge, die einen Trainer ans Ende seiner Kraft bringen können. Dabei spielt die Sportart kaum eine Rolle, denn auch beim Fußball rauft sich der Trainer manches mal das Haar wenn sein Team nicht das Umsetzt, was im Training erörtert wurde.

Genau so läuft es im Kampfsport und in den Kampfkünsten wie Karate. Man muss natürlich die jeweiligen Trainingsgruppen und Ansprüche unterscheiden, aber eine Tatsache ist das Training generell und immer erst außerhalb der eigenen Komfortzone beginnt! Oder etwas deutlicher gesagt, wer sich unterhalten und locker etwas bewegen möchte, und deshalb zum Sport (zu welchem auch immer) geht, kann dies natürlich gerne tun, aber sollte sich im Klaren sein, dass dies nichts mit Training zutun hat!

Insbesondere in der Kampfkunst sollte der Fokus auf dem eigenen Körper, Geist, Charakter und im weiteren Sinn auf Einstellung und Motivation liegen, wobei keines dieser Teilelemente ohne das andere auskommt. Genauso wie es ohne Kihon, keine Kata (auch interessant: Kata Sinn oder Unsinn), kein Bunkai/Oyo und kein Kumite geben kann, Jedes Element kompletiert das andere und steht ganz alleine für sich ziemlich…sagen wir suboptimal da! ;-)

Ein Grund warum ich persönlich einige (nicht alle!) Anhänger des sogenannten „Traditionellen Kumites“ schon lange nicht mehr verstehen kann. Karate ist mehr als Gyaku-Zuki! Und wer meint bei einer Selbstverteidigungssituation lediglich einen Zuki rauszuhauen, der braucht kein Jahrzehntelanges Studium einer Kampfkunst, das lernt man binnen Wochen auf der Strasse, aber das ist nochmal ein anderes Thema, genauso wie man zwar Bücher über Karate lesen kann, aber dadurch garantiert kein besserer Karateka wird. Learning by doing! Nur wer Karate dauerhaft und akribisch betreibt, wird besser. Training, Training, Training! Bücher und anderen Medien können unterstützen, aber keinesfalls den notwendigen Trainingsaufwand verringern oder gar ersetzen!

Warum ich diesen Artikel gerade schreibe hat den einfachen Grund, das beinahe täglich mitunter sehr lustige Dinge innerhalb der Dojos passieren, welche zum einen nicht nach außen dringen, und zum anderen nicht als lustig oder witzig im eigentlichen Wortsinn wahrgenommen werden und auch streng genommen nicht sind. Trainer haben es echt nicht einfach!
Beispiel gefällig?

Trainer fragt Trainierenden warum er die Kata nicht kann – Top 6 Antworten

1.) Heute war stressig auf der Arbeit, da ist die Konzentration einfach runter!

2.) Du hast ja auch keine Kinder!

3.) Das ist schon sooo lange her, wie soll ich das noch wissen!

4.) Gib doch mal Kindertraining, danach kann man die Katas einfach nicht mehr!

5.) Ich möchte eigentlich viel lieber zum Fußball!

6.) Ich bin heute zum ersten mal hier! :D

Noch ein Beispiel? Trainer gibt die Anweisung: Wiederholt nun nochmal jeder 2-3 mal für sich den Ablauf dieser Kata, und prüft ob dieser sitzt! Hier nun 5 Dinge , die ihr darauf niemals tun solltet!

1.) Nach dem ersten Durchlauf aufhören!

2.) Aufhören bevor der Trainer etwas anderes sagt!

3.) Andere Trainierende während dessen ansprechen!

4.) Kaffee und Kuchen rausholen und Päuschen machen!

5.) Nach dem ersten Kata-Lauf die Lust verlieren und sich statt dessen Dehnen oder der Fußpflege hingeben!

Fazit zum Trainerdasein

Ich persönlich habe viele Jahre im Breitensport-Bereich Training gegeben und bin irgendwann an einen Punkt gekommen, an dem ich einfach meine persönliche Motivation restlos aufgebraucht hatte. Das liegt natürlich an mir selbst und meinen Ansprüchen an meine Kampfkunst die ich so sehr liebe, und nicht an den Leuten die das Training besucht haben. Aber auch hier spielten sich mitunter Dinge ab die einerseits (im nachhinein!) lustig waren, andererseits zum Nachdenken anregen….

Trainierender fragt Trainer: Heute Kumite? Können wir nicht lieber Kata machen?

Trainer: Nein, heute ist nunmal Kumite an der Reihe!

Trainierender: Aber ich kann die Kata nicht und will Prüfung machen!

Trainer: Wann hast du Prüfung?

Trainierender: Morgen!

Ich habe riesen Respekt vor allen Teil- und Vollzeit-Trainern, die in jeder Trainingseinheit aufs Neue ihr Bestes geben und versuchen ihr wissen zu vermitteln! Ich bin nach wie vor der Meinung das man insbesondere im Karate dem reinen Breitensport-Gedanken eine Prise Ehrgeiz und Charakterschule an die Seite geben sollte, sofern nicht bereits vorhanden.

Warum besteht zum Beispiel jemand darauf schnell die nächste Kyu-Prüfung zumachen, obwohl er nach eigener Aussage Karate nur aus Spass macht und es nicht so wichtig ist, und sein Kihon, Kata und Kumite nicht beherrscht…Warum ist der Obi (Gürtel) so wichtig?! Man wird definitiv nicht besser, nur weil der Gürtel eine andere Farbe hat, besser wird man nur durch Training!

Problem daran liegt wie immer beim Trainer oder dann auch Prüfer: Wie kann ein Trainer mit ruhigem gewissen solch einen Schüler zur Prüfung zulassen oder der Prüfer den Schüler den nächsten Kyu. oder auch Dan-Grad verleihen, wenn enorme Defizite bestehen, welche über Monate und Jahre von Gürtelprüfung zu Gürtelprüfung immer größer werden und der Trainierende auch keinen wirklichen Ehrgeiz zeigt dies zu ändern?!

Ich denke das gesamte System hat eine entscheidene Schwäche welche wirklich erst zum Tragen kommt, wenn all die leistungsunwilligen Breitensportler ihre Dan-Prüfungen abgelegt haben und vielleicht sogar selbst Training geben oder niedriger Graduierte korrigieren, weil diese anhand der Gürtelfarbe glauben, dass Sie jetzt beherrschen was Sie tun.

Ich würde mir wünschen, dass den Anweisungen des Trainers mehr gehör geschenkt wird, Prüfungsprogramme aufschlagen, gelesen und verstanden werden! Selbstständiges forschen und auch mal Sensei-Youtube um nochmaliges abspielen einer Kata bitten. Gern darf man auch über die 90 Minuten Trainingseinheit hinaus mal trainieren – Zuhause im Wohnzimmer, im Garten, im Wald oder in irgend einem Park. Gruppen bilden, verabreden, Joggen, Neues ausprobieren und auch mal regenerieren!

Schön wäre auch eine offenere Kommunikation zwischen allen Beteiligten ganz ohne finanzielle Interessen und ausserhalb des Dojo-Contexts Mitgliedergewinnung. Klar ist es schön auf Platz 1 der Mitgliederreichsten Dojos zusein, aber was nutzt das der Kampfkunst und auch allen Beteiligten wenn davon unzählige Mitglieder viel besser beim Step-Aerobic, Yoga oder Handball aufgehoben wären? Nicht für jedem, der Karate ausprobieren will, liegt das auch und hat den nötigen willen und inneren Antrieb diesen Weg auch zu gehen. Karate-Do! Do ist und bleibt immer noch der Weg! Ein Leben lang! :-)

Die Möglichkeiten sind unbegrenzt und jeder kann im Rahmen seiner Möglichkeiten großes Leisten – nicht nur beim Training Training! In diesem Sinne, trainiert, meditiert, kämpft oder macht sonst etwas was euch erfüllt und Spass macht! ;-)

Zuletzt bearbeitet: 12. Februar, 2017
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